Trancelogik und Trancesprache (Teil 2/7)

Wenn wir von der modernen Hypnose sprechen, so geben wir der Suggestion einen grossen Stellenwert. Vor allem die Fremdsuggestion ist ohne besondere Hilfsmittel praktisch nicht möglich. Diese Hilfsmittel sind meist wichtige sprachliche Begriffe, deren wir uns während der Hypnose bedienen. Man sagt, dass unser “Wille” uns normalerweise daran hindert, in Trance zu gehen. Beinahe in jedem Hypnosekurs bzw. wenn wir Hypnose lernen, wird uns dies gleich zu Beginn klargemacht. Damit es also zur Trance kommt, benötigen wir eine bestimmte Art und Weise der Kommunikation. Nur dann ist uns eine Änderung des Bewusstseinszustands möglich. Vielleicht fragst du dich nun: Wie kann man die Sprache einsetzen, damit die Trance herbeigeführt und auch aufrechterhalten werden kann? Wie schafft man es eine möglichst hohe Qualität der Trance zu erreichen?

Unterschiedliche Modelle

Zuerst müsse wir uns einmal die Sprache und ihre unterschiedlichen Modelle näher ansehen, wenn wir eine Trance erreichen wollen. Sehen wir uns die Sprache ganz genau an, können wir schnell erkennen, dass es zwei unterschiedliche Formen gibt. Im ersten Moment klingt dies vielleicht etwas seltsam, doch wahrscheinlich ist dir schon selbst aufgefallen: Es gibt Sprachformen, die Denkprozesse anregen sollen und Formen, die eine Botschaft klar vermitteln sollen. Im ersten Fall spricht man von der sogenannten “Prozess-Sprache”, im zweiten Fall von der “Inhalts-Sprache”. Auch eine dritte Form ist zu erkennen, die gerne als “Kreativsprache” angesehen wird. Diese soll den Gesprächspartner bzw. dem Empfänger der Sprachbotschaft zur Kreativität anregen bzw. diese aufrechterhalten.
Im Alltag fällt uns dies nicht wirklich auf, sollen wir eine Person jedoch in Trance versetzen, ist dieser Unterschied enorm wichtig.

Die Inhaltssprache

Wenn wir über die Inhaltssprache sprechen, meinen wir jene Form, deren Ziel es ist, Inhalte möglichst klar und präzise weiterzugeben. Dies bedeutet, dass wir sie vor allem für direkte Anweisungen nutzen. Sie beinhaltet stets klare Formulierungen, definiert Ziele usw.

Das eigentliche Ziel dahinter ist, dass beide Gesprächspartner ein identes Bild im Bewusstsein erhalten. Es werden daher bestimmte Sätze genutzt wie beispielsweise: “Was willst du damit sagen?”, “Wieso denkst du das?” usw. Oftmals wird auch nach konkreten Beispielen gefragt. Man erwartet sich also mehr Details. Diese Fragestellungs-Art wird auch als “chunking down” bezeichnet.

Die Prozesssprache

Bei der Prozesssprache möchte man keine Details erfahren, sondern eine gewisse Orientierung geben. Denkprozesse sollen somit angeregt werden. Es ergeben sich oft Fragen wie zum Beispiel: “Worum könnte es gehen?” oder “Was könnte man damit sagen wollen?”.
Damit soll das eigene Denken angeregt werden und ein eigenes Konzept kreiert werden. Die Prozesssprache kann in Trance-Zuständen sehr gut angewandt werden, doch auch bei allen Problemlösungen, die das eigene Denken beinhalten sollen, ist sie hervorragend geeignet.

Kurz gesagt: Die Prozesssprache ist stets sehr allgemein formuliert und eher weniger konkret, damit der Gesprächspartner einen grösseren Spielraum hat und seine eigenen Konzepte daraus bilden kann.

Die Kreativsprache

Über die Kreativsprache sagt man, dass sie sich “lautmalerisch” oder “onomatopoetisch” ausdrückt. Ausdrücke wie “ahhh” oder “wow” etc. kommen in der modernen Hypnose gerne zur Bestätigung vor. Der kreative Prozess, der im Gesprächspartner bereits beflügelt wurde, soll nun weiter vorangetrieben werden.

Sprache, die die Trance fördern kann

Damit eine Person durch Suggestionen (also durch Sprache) in Trance versetzt werden, und sie auch wieder zurückgeholt werden kann, muss sich die Sprachart von unserer gewöhnlichen Alltagssprache unterscheiden. Dies ist ein wesentlicher Teil der Trancearbeit. Was bedeutet dies nun genau? Die Art und Weise wie Dinge gesagt werden, darf nicht “alltäglich” klingen und hat in unserem normalen Alltagsleben praktisch keinen Platz. Es handelt sich daher um eine bestimmte “Trancesprache”. Den Übergang von unserer Alltagssprache in die Trancesprache und wieder retour, kann in kompletter Harmonie mit einer bestimmten Trancetiefe erfolgen.

Jeder Mensch besitzt dabei seine eigene Trancesprache. Diese muss nicht neu entwickelt, sondern eher bewusst gemacht werden, um für die Hypnose dienen zu können. Es ist also nicht so kompliziert, wie man es sich vielleicht vorstellen mag! Es handelt sich dabei um einen sehr intuitiven Vorgang, der vor allem auf das Sprechtempo sowie die Klangfarbe der Stimme abgestimmt ist und erinnert stark an die Sprechtechnik, die die meisten Menschen anwenden, wenn sie mit kleinen Kindern sprechen.

Wir finden unterschiedliche Techniken, wie wir Sprache für die Trane verwenden können. Besonders wichtig ist jedenfalls die “Logik des Trancebewusstseins”, die sogenannte “Trancelogik”. Diese soll ganz gezielt angesprochen werden!

Das Seeding

Seedings (zu Deutsch: säen), sind spezielle Einstreuungen von bestimmten Suggestionen, welche alleine meist wenig Effekt hätten und als “harmlos” angesehen werden würden. Diese werden, wie der Name schon sagt, als “Samenkörner” gesehen und sollen im Unterbewusstsein des in Trance zu führenden Menschens keimen. Dort sollen die Samen ihre Wurzeln bilden und am Ende das gewollte Bild entstehen lassen – die Suggestion hat nun eingesetzt.

So können sich zum Beispiel harmlose Aussagen aus der Kindheit, durch immer wiederkehrende Wiederholungen in uns festsetzen und unser Leben beeinflussen. Manchmal setzen sich “gute” Bilder fest, manchmal “schlechte” Bilder. Gute Beispiele für solche “Seedings” sind beispielsweise Aussagen wie: “Männer weinen nicht”, “Du musst stark sein”, “Man muss sich anpassen” usw. Ganze Muster lassen sich aus diesen Seedings oftmals ableiten.

Nicht nur aus unserer Kindheit kennen wir die Seedings. Sie können aus unterschiedlichen Lebensbereichen stammen. Auch in der Werbung, dem Tourismus oder im Wahlkampf erleben wir immer wieder solche Seedings. Meist werden diese in Slogans verpackt, denn hierfür eignen sie sich ganz besonders gut. Warum? Weil Slogans kurze Wortwiederholungen sind, an die wir uns gut erinnern können. Sie sind meist präzise, prägnant und transportieren schnell und gekonnt Informationen. Zudem wirken sie meist emotional und werden oft ohne Widerstand von uns angenommen. “Wir sind das Land”, “Du kannst es schaffen!” usw. sind nur einige Beispiele. Die Slogans sollen nicht unser bewusstes Denken, sondern unser Unterbewusstsein ansprechen und sich in unseren Alltag einschleichen. Auch wenn wir es nicht immer wollen, meist können wir ihnen nicht entkommen!

Ist es einem gelungen ein bestimmtes Seeding zu erkennen, das bereits “aufgegangen” ist und das Leben beeinflusst, will man dieses vielleicht loswerden. Doch nicht immer ist dies so einfach, wie man es sich wünscht. Man darf nicht vergessen, dass die Botschaft meist über Jahre hinweg immer wieder in unser Unterbewusstsein gelangt ist und Zeit hatte, sich dort festzusetzen. Man kann das Seeding zwar zum Gegenteil formulieren, doch benötigt es dafür Zeit. Meist braucht dies ebenso viele Jahre, wie für das Aufkeimen benötigt wurde.

Es ist jedoch viel einfacher, den Inhalt des Seedings beizubehalten, ihn jedoch zu verändern. Man nennt diesen Vorgang auch “Reframing”. Ein Beispiel:
“Ich bin hässlich”, könnte somit zu “Ich bin nur hässlich, ausser ich mache mich schön” werden. Es geht also darum, welche Eindrücke innerlich stattfinden und auf welcher Ebene man den Menschen erreicht und nicht immer um den tatsächlichen Inhalt des Satzes. Der Satz “Du bist nicht die Schönste” kann in einem jungen Mädchen etwas vollkommen anderes auslösen, als eigentlich gemeint war. Es geht also stets um den Hintergrund.

Seedings können ausserdem gut durch eine bestimmte Betonung der Wörter eingestreut werden. Zudem können sie dazu benutzt werden, um auf eine Hypnose vorzubereiten.

Durch Seedings kann man ein gewisses Vertrauen aufbauen. Die Person, die in Trance geführt werden soll, erkennt durch bestimmte Worte beispielsweise, dass sie in Trance befindet und hat daher ein Gefühl der eigenen Kontrolle, was zur Sicherheit führt. Die Person hinterfragt dadurch oftmals weniger und lässt sich besser auf die Trance ein.
Auch eine erhähte Aufmerksamkeit sowie Phantasiefähigkeit können durch Seedings praktisch suggestiert werden.

Die Hypnoseausbildung zeigt, dass Seedings also keine direkten Suggestionen sind, sondern subtile Teile, die meist nicht erkannt werden und dazu führen sollen, bestimmte Muster zu durchbrechen.

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