Moderne Hypnose und Milton H. Erickson

Wer hat die Hypnosetechniken, wie wir sie heute kennen, massgeblich geprägt?

Der aus Amerika stammende Psychiater namens “Milton H. Erickson” ist für die moderne Hypnose, wie wir sie heute kennen, sehr bedeutsam. In seinen Therapieformen arbeitete der Physiker vor allem mit suggestiven, indirekten Techniken. Dies bedeutet, dass er für seine Therapie stets Metaphern und Geschichten verwendete. (Diese Technik wird auch als “permissive storytelling” bezeichnet). Milton H. Erickson schaffte es somit sich von der klassischen Hypnose und ihren Fremdsuggestionen abzugrenzen. Zusammen mit dem Schüler “Ernest L. Rossi”, der zum Juniorautor wurde, beschreibt der Psychiater in seinen Fallbüchern der Jahre 1976 bis 1981 seine spezielle Vorgehensweise. Die Bücher ermöglichen es uns heute einen tiefen Einblick in sein therapeutisches Wissen zu erlangen. Neben den Fallbüchern findest du auch zahlreiche weitere Schriften von Erickson, die für jede Hypnoseausbildung von grosser Bedeutung sind.

Selbsthypnose Milton H. Erikson

Wenn du dich mit Hypnose beginnst auseinanderzusetzen, wirst du durch Ericksons Werke bald entdecken, dass er in jedem Menschen stets ein Individuum sah. Somit wollte der Psychiater seine Therapie stets auf den Patienten abstimmen und auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen.

Durch hypnotische Trance versucht Erickson dem Patienten einen Zugang zu den eigenen Selbstheilungs-Ressourcen zu ermöglichen. Auch hierfür gibt es einen Grund, denn der Psychiater litt selbst unter chronischen Schmerzen und wendete Selbsthypnose zur Linderung bei sich selbst an. Die Hypnose selbst war für ihn eine Bewusstseinsveränderung. Durch Entspannung und Fokussierung zugleich sollte ein anderer Bewusstseinszustand erreicht werden. In diesem Zustand ist es möglich, an deine eigenen, individuellen Ressourcen zu gelangen und schlussendlich eine Lösung für die Krankheit bzw. das Problem zu finden. Wer Hypnose lernen möchte, versteht bald, dass es dabei auch um Selbstheilung geht.

In den Hypnosekursen erlernt man die Herbeiführung dieses speziellen Trance-Bewusstseinszustandes. Die Trance kann dabei durch unterschiedliche Rituale, Musik, Meditation oder auch durch autosuggestive Worte erreicht werden. In modernen Hypnosetherapien ist sie ein wesentlicher Bestandteil. Erickson betrachtete jeden Patienten als einzigartig und erstellte somit auch stets ein neues Konzept.

Dies bedeutet also, dass es für jeden Patienten eine individuelle Planung der Therapie gab. Dennoch findet man in seinen Fallbeispielen und Skripten, spezielle Grundsätze, die bei so gut wie allen Patienten angewandt wurden:

Utilisation:
Dies bedeutet, dass die individuellen Muster und Merkmale jedes Patienten mitsamt seinen Symptomen und Widerständen für die Veränderungen genutzt werden.

Destabilisierung:
Die mentale Beweglichkeit der Patienten kann durch Konfusion wieder erreicht werden. Dies bedeutet, das Aufgeben von bestimmter, festgefahrener Verhaltensmuster und Einstellungen. Dadurch gestaltet sich eine Problemlösung sowie die Annahme der Suggestionen wesentlich leichter.

Beiläufigkeit:
Informationen werden dem Patienten auf eine indirekte Art und Weise durch Negation der Negationen, Implikation etc. vermittelt.

Kleine Veränderung mit dem Kaskadeneffekt:
An einer unbedeutenden Stelle wird eine Intervention gesetzt, um bestimmte Veränderungen einleiten zu können. Wenn das Verhaltensmuster durchbrochen wurde, kann es zu einem Kaskadeneffekt (Neuorganisation) kommen.

Schutz von dem Unbewussten:
Eine zeitlich beschränkte Amnesie kann oftmals zum Vorteil sein. Diese kann durch eine bestimmte Suggestion oder durch Ablenkung erreicht werden. Die Amnesie sollte so lange andauern, bis eine Akzeptanz und Auseinandersetzung mit dem Thema in der Trance erarbeitet wurde. Somit können die Lösungen auch in den Alltag integriert werden.

Durch bildgebebende Verfahren gewinnt man heute immer mehr Erkenntnisse über neurobiologische Grundlagen von Hypnose. Zustände von Trance gehen stets Hand in Hand mit neurobiologischen Veränderungen unserer Gehirnfunktionen. Zum Teil kann man diese sogar bereits computerbasiert erfassen. Die Trance-Forschung beschäftigt sich derzeit mit den Fragen, mit welchen Vorgängen und Mechanismen sich unser Gehirn während einer Trance beschäftigt.

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