Trancetiefe

Der Zustand des normalen Wachbewusstseins geht fliessend in den Trancezustand über und erreicht nacheinander verschiedene Stufen oder Ebenen. Prinzipiell ist jeder trancefähig und der Grossteil der Menschen erreicht auch eine mittlere Trance, wobei einige sogar eine tiefe Trance erlangen. Im Allgemeinen kann man aber davon ausgehen, dass für therapeutische Suggestionen ein leichter bis mittlerer hypnotischer Zustand völlig ausreichend ist.

Obwohl jeder einzelne auf Hypnose irgendwie anders reagiert, war man seit Anbeginn bestrebt, das hypnotische Verhalten zu quantifizieren und geeignete Masssysteme zur Bestimmung der Hypnosetiefe zu schaffen. Schon James Braid nahm eine Unterteilung in drei Stufen vor (leicht, mittel, tief), A. A. Liébeault unterschied sechs Grade und viele unterschiedliche, umfangreiche Einteilungen und Konstrukte folgten.

Die meines Erachtens nach vielfältigste Tiefenskala ist die LeCron-Bordeaux Skala. Sie weist 50 Einzelmerkmale auf, kennt verschiedene Hypnosetiefen und wurde anhand von Praxiserfahrungen aufgestellt. Da die LeCron-Bordeaux Skala auf Verhaltenseinschätzungen beruht, kann es natürlich vorkommen, dass jemand in leichter Trance auch Symptome zeigt, die sonst nur in tiefer Hypnose auftreten. Ebenso kann eine Person aufgrund persönlicher Eigenarten in tiefer Trance anders reagieren als die Norm. Diese Skala dient als Hilfsmittel in der Praxis, das in den allermeisten Fällen Gültigkeit besitzt, jedoch nicht mit 100%-iger Sicherheit angewendet werden kann. Ausserdem sollte man immer bedenken, dass die einzelnen Tiefegrade ein Kontinuum darstellen, fliessend ineinander übergehen und sich nicht scharf trennen lassen. Meistens zeigt die Trancetiefe auch einen wellenförmigen Verlauf: zeitweise taucht man in tiefe Trancezustände ein, einige Zeit später befindet man sich wieder in einem leichten hypnoiden Zustand.

Während einer Ausbildung in ärztlicher Hypnose berichtete der Vortragende von einem Experiment, in welchem er eine in tiefer Trance befindliche Hypnotisandin in ein Restaurant zu einem Mittagessen führte. Die Hypnotisandin zeigt keinerlei äussere Zeichen eines hypnotischen Zustandes, ausser einer leichten Bewegungsverlangsamung. Dennoch war die Trance so tief, dass sie während des ganzen Vorganges mit offenen Augen innere Bilder wahrnehmen konnte. Nach Rückkehr von dem Essen hatte sie keine Erinnerungen an das Essen. Allein daraus geht hervor, dass die äusseren Trancezeichen nicht 1:1 die Tiefe der Trance widerspiegeln.

Zur Vertiefung der Trance kommen verschiedene Methoden zur Anwendung:

  • Fraktionierung: Dabei wird die Hypnose nach wenigen Minuten unterbrochen und gleich darauf wieder neu induziert. Durch die mehrfache Wiederholung dieses Vorganges, soll eine starke Vertiefung der Hypnose erreicht werden.
  • Atmungstechnik: Häufig wird eine Vertiefung mit der Atmung gekoppelt: „Mit jedem Atemzug werden sie tiefer und tiefer entspannt…“.
  • Zähltechnik: Die Trance kann durch Zählen von 1 bis 20 oder durch die Vorstellung 100 Stufen einer Treppe hinab zusteigen ebenfalls verstärkt werden.

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