Klassische bzw. „direkte“ Induktionsmethoden, Teil 2 von 3

Konfusionstechnik: Konfusion ist ebenso eine effektive Induktionsmethode

Zu den wirkungsvollsten Methoden der Trance-Einleitung und Vertiefung zählt die Verwirrung. Die neurologische Forschung hat ergeben, dass unser Gehirn nur eine begrenzte Aufnahmekapazität hat und sobald die angebotene Informationsmenge diese übersteigt, stösst das Gehirn an seine natürliche Grenze und Konfusion entsteht. Konfusion ist aber ein unangenehmer Zustand, den man nicht lange ertragen möchte und so gleitet man in Trance, wo das Konfusionsgefühl nicht existiert.

Jeder kennt das Gefühl der kognitiven Überladung aus der Schulzeit oder dem Studium, als man den dargebotenen Stoff nicht verstanden hat und anfangs noch versuchte es doch zu verstehen, aber es schliesslich aufgab und in Trance, meist in Form eines Tagtraums, flüchtete. Diese Geschichte führt zu Konfusion, da ist nicht mehr verstehbar ist. Die Aufmerksamkeit schweift ab zu Gedanken, Träumen und Phantasien und man taucht in einen Trance-Zustand ein. Neben den verbalen sind auch nonverbale Konfusionstechniken gebräuchlich, da Handlungsunterbrechungen oder unerwartete Tätigkeiten auch einen Moment der Verwirrung hervorrufen, in dem das Bewusstsein vorübergehend die Kontrolle abgibt und Suggestionen unkritisch angenommen werden. So könnte der Therapeut mit ausgestreckter Hand zur Begrüssung auf den Patienten zu gehen, im letzten Moment jedoch seine Hand zurückziehen und in diesem Moment wichtige Verbalsuggestionen einfügen.

Durch die Verwirrung, die kurzzeitig erzeugt wird, gelingt es dem Therapeuten, das Bewusstsein des Patienten abzuschalten und so den direkten Zugang zum Unbewussten zu erlangen. Beispielsweise fordert man den Patienten auf sofort einzuschlafen. Er fühlt sich überrumpelt, verwirrt, weiss nicht, was er in der Situation zu tun hat, denn es scheint ihm unmöglich. Genau das ist der Punkt, wo das Bewusstsein sozusagen überfordert ist und die Kontrolle abgibt. Der Patient gleitet somit in den gewünschten Trancezustand. Dadurch, dass das menschliche Gehirn eine begrenzte Aufnahmekapazität hat, schützt es sich bei zu vielen Informationen durch einen Trancezustand um einer Überladung vorzubeugen. Folgendes Beispiel aus Eberwein/Schütz 2001, S. 60 zur Veranschaulichung: „Vorgestern erzählt mir ein Freund, er habe von einem gehört, dass ein Bekannter erzählte, dass er sich mit seinem besten Freund, ja das erzählte er, gerade in dem Moment, in dem es um Freundschaft ging, noch während der Freund des Bekannten an seine Freundschaft dachte und meines Bekannten Freund sich noch der Freundschaft erinnerte, wie er mit dem Freund zu streiten anfing. Und der Freund des Bekannten erzählte dem Freund, dass der Bekannte, von dem er diese Geschichte des Bekannten hörte, gestern nicht an gestern, sondern morgen an heute gedacht hatte… Freundschaft… Bekanntschaft… Denken… Loslassen… Ruhe…“ Bei diesem Beispiel ist gut zu beobachten, wann es zu einer Überladung kommt.

Handshaketechnik

Auch beim Händeschütteln ist es einfach das Gegenüber zu verwirren. Die Begrüssung läuft automatisiert ab. In der Regel wird ein normales, nicht zu starkes und auch ein nicht zu schwaches Händedrücken erwartet, das maximal drei Sekunden andauert. Bei einem nichterwarteten schlaffen Händedruck verzichtet das Gegenüber ebenso auf Kraft und versucht sich anzupassen. Und wenn auch noch die Begrüssung länger als drei Sekunden andauert, kann man beobachten, dass es zu einer Verwirrung kommt und dies gerne mit einem Lächeln überspielt wird. Ein Trancezustand wird erst dann erreicht, wenn Suggestionen folgen.

Händeklatschen-Induktion

Eine Variante der Verwirrtechnik. Dem Patienten wird eine Geschichte erzählt und im Laufe der Zeit wird immer ruhiger und langsamer gesprochen bis der Patient automatisch einen Trancezustand erreicht. Ein Geräusch wird angekündigt, allerdings wenn von zehn bis null gezählt wird. Der Patient hat nun eine gewisse Erwartungshaltung, einerseits ist er entspannt, ruhig, in Trance, andererseits ist er gespannt auf dieses eine angekündigte Geräusch. Der Therapeut beginnt nun von 10 langsam und immer leise werdend herabzuzählen, klatscht währenddessen in die Hände und ein Zucken des Körpers wird ausgelöst. Dies wird nicht als Erschrecken beschrieben, eher als ruckartige Körperbewegungen. Die Trancetiefe wird dabei nicht beeinflusst. Durch absichtlich falsche Suggestionen, wie z.B. „beim Öffnen der Augen sehen Sie nur noch Luft, sonst können Sie nichts anderes sehen“, werden Patienten weiter verwirrt. Der Patient denkt sich, dass es unmöglich ist, nur Luft zu sehen und beginnt an der fachlichen Kompetenz des Arztes zu zweifeln. Je mehr der Therapeut redet desto weniger achtet der Patient auf seine Worte. Er schaltet ab und geht in eine Trance. Nun kann eine Hypnosetherapie begonnen werden.

Überzeugungsinduktion

Inwiefern die persönliche Ausstrahlung bei den Induktionsmethoden aussagekräftig ist, bestätigt sich im folgenden Beispiel: Der Patient wird aufgefordert in Trance zu gehen. Dabei ist es wichtig aus reiner Überzeugung zu sprechen – der Therapeut muss sich sicher sein, dass es auch funktioniert. Auch wenn der Patient nicht gleich einen Trancezustand erreicht, wird er es später tun, weil der Therapeut einfach wartet und ihn auch erwartungsvoll anschaut.

Sollte der Patient sagen, dass er es ja wirklich gern täte, er aber es nicht zu tun vermag, kann geholfen werden. „Natürlich, Sie können das nicht. Ich warte ja auf ihn!“ Das Tor zum Unbewussten wird so geöffnet.

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