Ablauf einer Hypnoseinduktion

Generell kann die Hypnoseinduktion, wie nachfolgend beschrieben, grob in einzelne Phasen unterteilt werden. Vor Beginn einer Intervention sollte aber, sowie auch bei anderen Therapieformen, zuerst die Indikation aus medizinischen, psychosomatischen oder psychotherapeutischen Gründen gestellt sein. Eine weitere Voraussetzung einer erfolgreichen Hypnosesitzung ist die Vorbereitung des Patienten. Dazu gehört das Aufklärungsgespräch, die geeignete Charakterisierung der Hypnose als autosuggestives Verfahren und der Abbau von Ängsten und Vorurteilen.

1. Herstellung des Rapports

Das Vorhandensein einer tragfähigen Beziehung zwischen Klient und Therapeut stellt eine Grundvoraussetzung in der therapeutischen Anwendung der Hypnose dar. Durch Zuhilfenahme der Techniken des pacing undleading bemüht sich der Therapeut um einen empathischen Kontakt zum Klienten. Durch Angleichung seiner verbalen sowie nonverbalen Kommunikation mittels ähnlicher Wortwahl, Berücksichtigung der Wertewelt des Gegenübers aber auch spiegeln der Körpersprache, wird die Beziehung zum Patienten intensiviert. Hierbei ist allerdings auf Authentizität zu achten, da ein vom Klienten als „Nachäffen“ empfundenes pacing kontraproduktiv wäre. (Näheres dazu unter Folgen und Führen sowie Utilisation)

2. Auswahl der geeigneten Induktionsform

Ob man als Hypnosemethode direkte oder indirekte Formulierungen verwendet, mit Konfusion arbeitet oder visuelle bzw. kinästhetische Reize gebraucht, wird von Fall zu Fall entschieden, da es individuell unterschiedlich ist, welche Form dem Klienten entgegenkommt und für ihn angenehm ist. Auch hier sollten individuelle Charaktereigenschaften des Rezipienten utilisiert werden. Die Präferenzen des Hypnotisanden sind, ohne weiteres offen anamnestisch zu erfragen.

3. Fokussierung

Der Therapeut versucht die Aufmerksamkeit des Patienten von vielen Aussenreizen auf einen einzigen bzw. von aussen nach innen zu lenken.

4. Beschreibung einer Ruheszene

Die Vorstellung eines Ruhebildes (Strandszene im Sommer, Spaziergang im Wald) dient der Verbesserung der Entspannung und kann auch als „Sicherheitsraum“ fungieren, wenn in der Therapie besonders belastende oder ängstigende Szenen bearbeitet werden. Um hier gegebenenfalls etwas präziser beschreibend formulieren zu können, kann es ratsam sein, sich den „safe place“ im Vorfeld beschreiben zu lassen.

5. Vertiefung

In dieser Phase soll der Trance-Zustand verstärkt werden, was mittels verschiedener Techniken erreichbar ist. Das Prinzip einer Trancevertiefung besteht darin, dass durch wiederholtes Trance-Erleben sukzessiv die zu erreichende Tiefe gesteigert wird. Dies bedeutet zum einen, dass ein zügiges, effektives Arbeiten mit tranceerfahrenen Hypnotisanden leichter fällt. Zum anderen kann man sich diesen Umstand allerdings auch im Zuge einer einzelnen Sitzung zunutze machen. Ist der Klient nämlich erst einmal in eine anfänglich eventuell recht leichte Trance gegangen, bedient man sich gewisser Reize – etwa akustischer, optischer oder kinästhetischer Natur – um die Trancetiefe wieder zu verringern.. So kann dies beispielsweise die Aufforderung zum Öffnen der Augen oder eine Berührung des Armes sein. Wird im Anschluss an diesen Reiz sofort wieder eine Trance herbeigeführt, führt dies zur angestrebten Vertiefung. Auch bei der sogenannten Treppeninduktion, also der Imagination einer Treppe, bei der durch Hinauf- oder Hinabsteigen eine Trance induziert wird, kann es ein potenter Tranceverstärker sein, den Klienten nach einigen Stufen umdrehen und wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen zu lassen, um danach nur noch tiefer bzw. höher zu steigen (sog. Fraktionierung).

6. Nutzung der Trance

Während dieser Phase der hypnotherapeutischen Sitzung kommt es zur Realisation der entsprechenden therapeutischen Interventionen. Hierzu gehören Suggestionen der Zeitverzerrung, der Altersprogression oder – regression, der Analgesie und Anästhesie, Rekapitulation und Neuerleben von Erfahrungen sowie symptom- oder problembezogene Suggestionen.

7. Reorientierung

Nach Beendigung der therapeutischen Intervention wird die Hypnosesituation etwa durch Rückwärtszählen beendet. Bei der Rückführung aus der Hypnose reagieren die Patienten sehr unterschiedlich, so dass jeder seine individuelle Zeit benötigt, bis er wieder gewillt ist die Augen zu öffnen. Für viele ist es angenehm, wenn auf die nach der Hypnose folgende Frische, Wachheit und das Wohlbefinden hingewiesen wird. Des Weiteren kann in dieser Phase die therapeutische Wirkung durch posthypnotische Suggestionen gefestigt werden. So kann etwa auch die für nachfolgende Sitzungen praktische Fähigkeit künftig schneller und tiefer in Trance gehen zu können, verstärkt werden (sog. Ankern).

Wichtig ist, dem Patienten genügend Zeit zu geben und die vollkommene Realitätsorientierung wieder herzustellen, um ihn nicht zu gefährden (z.B. im Strassenverkehr). Eine fachgerechte und ausreichende Dehypnose ist unverzichtbarer Bestandteil einer jeden hypnotherapeutischen Sitzung und sollte daher auch mit der entsprechenden Sorgfalt durchgeführt und auf Wirksamkeit, etwa durch gezielte Nachfrage, überprüft werden. Ergänzend kann aber erwähnt werden, dass es ausreichend abgesicherte Beweise gibt, dass eine Hypnose grundsätzlich nicht unbegrenzt anhält und der Patient nach einem kurzen Schlaf von selbst wieder erwacht, sollte der Therapeut die Auflösung nicht durchführen.

Anschliessend wird das therapeutische Geschehen nachbesprochen und eventuell weiter bearbeitet. Meistens wird die Behandlung dadurch intensiviert, dass der Patient „Hausaufgaben“ erhält. Gemeint sind damit aktive Umsetzungen der Hypnoseerfahrungen entweder in Form eigenständiger Übungen mittels Autohypnose oder durch Anwendung des neu erworbenen Verhaltens in Form von Reizkonfrontation, Selbstsicherheitsübungen oder Übernahme neuer Kompetenzen.

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